Quantität ist nicht Qualität: Patienten leiden unter Medikamenten-Chaos

Patienten, die ungesteuert eine Vielzahl von Ärzten aufsuchen, laufen Gefahr, zu viele Medikamente einzunehmen – mit möglicherweise dramatischen Folgen. Die Wirkungen der Medikamente können sich aufheben oder verändern. Gerade ältere Menschen haben ein hohes Risiko an Polypharmazie, belegt eine aktuelle Studie der norddeutschen Krankenkasse hkk.
„Die Ergebnisse der Studie zur Polypharmazie sind erschreckend, aber nicht überraschend“, erklärt Dr. Dieter Geis. Der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV) befürchtet, dass die Gefahr für die Patienten nach dem Wegfall der Praxisgebühr in Zukunft sogar weiter ansteigen wird. Dr. Geis: „Der Hausarzt muss die zentrale Stelle sein, bei der alle medizinischen Informationen über den Patienten zusammenlaufen, damit die Therapien in Absprache mit den Fachkollegen gezielt koordiniert und eine für den Patienten gefährdende Polypharmazie vermieden werden kann. Durch die undifferenzierte Streichung der Praxisgebühr werden Patienten jetzt sogar noch ermutigt, unkoordiniert Fachärzte aufzusuchen, ohne dass der eine Arzt vom anderen etwas erfährt oder ausreichend über eine bereits laufende Medikation Kenntnis hat.“ Torsten Fricke
Datum: 
28.01.2013