Neues Testverfahren zur Diagnostik des Prostatakrebses an der Universität Tübingen

Der weltweit erste genbasierte Prostatakrebstest kann die frühzeitige Diagnose von Prostatakrebs verbessern. Das bestätigen auch die neuesten Daten aus einer Studie an 570 Patienten, die in der Maiausgabe der Fachzeitschrift Journal of Urology veröffentlicht wurde.

von Martin Fleischmann

Bei dem Vergleich mit anderen Standardmessungen, zum Beispiel dem Serum-PSA, war der PCA-3-Score der verlässlichste Indikator für das Tumorvolumen. „Die Ergebnisse des PSA-Tests allein sind keine eindeutigen Belege für ein Prostatakarzinom und können zu unnötigen Biopsien führen. Der Genbasierte Prostatakrebstest kann die Möglichkeit einer frühzeitige Diagnose verbessern“, betonte Prof. Arnulf Stenzl, Ärztlicher Direktor der Uniklinik für Urologie Tübingen.

Somit liefert der PROGENSA PCA-3-Test den Klinikärzten wertvolle Informationen zur Unterstützung der Diagnostik.
„Die Diagnostik des Prostatakarzinoms ruht nach wie vor auf mehreren Säulen: 1. dem digital rektalen Tastbefund, 2. dem PSA-Wert und 3. dem Befund der transrektalen Sonographie. Zu diesen drei bekannten Säulen kommt nun mit dem PCA-3-Score eine vierte hinzu. Jeder einzelne dieser vier Parameter stellt ein wichtiges Glied in der diagnostischen Kette dar und erhöht vor allem in der Zusammenschau die diagnostische Sensitivität und Spezifi tät“, so Stenzl.

Der PCA-3-Test wurde im Januar 2008 in der Urologischen Universitätsklinik in Tübingen eingeführt. Tübingen ist damit eines von 20 Zentren europaweit, die von der Firma Gen-Probe in San Diego, USA, die diesen hochsensiblen Test zur Marktreife entwickelt hat, zum Einsatz ihres Tests in der klinischen Diagnostik ausgewählt wurden. Der PCA-3-Test ist ein aufwendiges Verfahren, mit dem eine Nukleinsäure (mRNA) im sogenannten Exprimaturin gemessen werden kann. Die mRNA ist hochspezifisch für Prostatagewebe und nimmt in Tumorzellen im Vergleich zu gesundem Gewebe um ein vielfaches erhöhte Werte an. Prostatakarzinomzellen produzieren dabei 60-bis 100-fach mehr PCA3 als normales Prostatagewebe. Nach heutigem Kenntnisstand ist diese Überexpression des PCA3-Gens die Eigenschaft, die am spezifi schsten für Prostatakarzinomgewebe ist. In über 95 Prozent der untersuchten Proben aus Prostatakarzinomen ist eine solche Überexpression festgestellt worden.

Zur Testdurchführung können Patienten entweder in die Klinik für Urologie nach Tübingen kommen oder bei ihrem niedergelassenen Urologen um die Aufnahme ins Verteilernetz der Klinik bitten. Urologische Praxen und andere Kliniken können die Abnahmesets nach Anfrage von der Klinik umgehend zugesandt bekommen. Diese bestehen aus einer Einmalpipette und einem speziellen Stabilisier-Röhrchen, welches zum Lagern und Versenden des Urins notwendig ist. Weitere Informationen zum PCA-3-Test erhalten Sie im Internet unter: www.pca3.org

Datum: 
11.06.2012