Neu entdecktes Gen verursacht Immundefekt

Einer Arbeitsgruppe des Centrum für Chronische Immundefizienz (CCI) am Universitätsklinikum Freiburg gelang es, ein Gen zu identifizieren, dass für das Funktionieren der menschlichen Abwehr sowie für Autoimmunerkrankungen eine Schlüsselrolle spielt.

Unter Leitung von Professor Bodo Grimbacher konnte die Forschergruppe anhand von Genmutationen bei fünf Patienten aus Familien mit blutsverwandten Ehen nachweisen, dass der Ausfall des LRBA-Proteins ursächlich für schwere Störungen des Immunsystems verantwortlich ist.

Die Mutation des LRBA-Gens führt zu schweren Störungen in der B-Zell-Entwicklung und der T-Zell-Funktion. T- und B-Zellen stellen das „Immungedächtnis“ des Körpers dar. Sind sie gesund, „erinnern“ sie sich an Erreger, die bereits Krankheiten verursacht haben und können diese wirkungsvoll bekämpfen. Für das Immunsystem von Menschen mit LRBA-Defizienz ist dagegen jede Begegnung mit üblichen Erregern wieder eine neue Konfrontation. Da die T-Zellen auch verantwortlich sind für die Kontrolle und Entsorgung befallener Körperzellen einerseits und die Verhinderung von überschießenden Immunreaktionen andererseits, ist die Abwehrlage der Betroffenen sehr schlecht.

Zusammenhang zu Autoimmunität?

Auch die Fähigkeit des Immunsystems zur Autophagie ist erheblich beeinträchtigt. Mit Autophagie wird der Selbstreinigungsmechanismus von Zellen bezeichnet. Altes wird entsorgt, wieder Verwertbares zum Aufbau neuer Zellbestandteile erneut verwendet. Bei einer LRBA-Defizienz führt die Fehlregulation dieses Mechanismus zum Untergang der Zellen – und davon scheinen vor allem die B-Zellen betroffen zu sein.

Neue Therapieoptionen

Da Patienten mit einem LRBA-Defekt jetzt diagnostiziert werden können, eröffnen sich neue Therapieoptionen. Ihnen kann künftig eine Knochenmarktransplantation angeboten werden und damit eine Chance, zu überleben. Auch könnte langfristig die Entwicklung eines Ersatzproteins erhebliche Verbesserungen bringen. Neben den bislang schon eingesetzten Antikörperersatztherapien muss bei den Patienten vor allem auf die Gabe von Antibiotika geachtet werden, die auch den T-Zell-Defekt mit berücksichtigen.
Die Bedeutumng der Entdeckung liegt darin, dass ein extrem wichtiges Gen für das Immunsystem gefunden wurde. Es birgt die Chance, nicht nur mehr über das Immunsystem zu erfahren, sondern in Zukunft auch Therapien zu entwickeln, die Patienten mit primären Immundefekten, Autoimmunität und entzündlichen Darmerkrankungen helfen können.

Quelle: The American Journal of Human Genetics 90, 1–16, June 8, 2012

Datum: 
14.06.2012