Mittelmeerkost

Datum: 
26.03.2012

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Eine gute Lebens versicherung: die Mittelmeerkost

Die Sieben-Länder-Studie hat es nach 25jähriger Beobachtung von 12000 Männern bereits in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gezeigt: in Nord -europa starben viermal mehr Männer an einer Herzkrankheit (20% gegenüber 5%). Wie kommt dieser Unterschied zustande?

von Werner Waldmann

Ernährungswissenschaftler fanden heraus, dass die unterschiedliche Ernährungsweise der Südländer eine wesentliche Rolle spielt: wenig tierisches Fett, mehr pflanzliche Öle, besonders Olivenöl und ballaststoffreiche Nahrungsmittel, wie Vollgetreide, frisches Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte.
Oder ist es nicht doch die andere Mentalität der Südlännder – dolce far niente, mittags eine Siesta – die den Stress und dessen Folgekrankheiten verhindert?
Erst eine französische Untersuchung brachte Klarheit, die „Lyon Diet Heart Study“. Dabei wurden ab 1988 über 600 Patienten nach einem ersten Herzinfarkt auf zwei Behandlungsgruppen aufgeteilt. Die experimentelle Gruppe erhielt eine Mittelmeerdiät, die Kontrollgruppe wurde von ihren Hausärzten zu einer vernünftigen, fettarmen Ernährung
angehalten, etwa entsprechend den Empfehlungen der amerikanischen Herzgesellschaft
(AHA). Michel de Lorgeril1 fand nach ca. vier Jahren eine Abnahme der Herztodhäufigkeit
um 70 %. Auch die Gesamtsterblichkeit durch alle Todesursachen einschließlich Lungenembolien und Krebs konnte um 44 % reduziert werden. Die Häufigkeit eines zweiten, nicht tödlichen Herzinfarktes wurde um 2/3 reduziert (25 gegenüber 8 Fällen). Es waren weniger Bypassoperationen und Ballondehnungen sowie weniger Krankenhausaufenthalte erforderlich.
Diese Ergebnisse übertreffen alles, was bisher durch Änderung der Ernährung, des Lebensstils und durch Medikamente erreicht werden konnte bei weitem. Die Ergebnisse konnten durch viele weitere Untersuchungen an Gesunden und Herzkranken weltweit auch in den letzten Jahren erhärtet werden, so dass es keinen Grund mehr gibt, mit der Lebensstiländerung zu warten.
Besonders wichtig ist, dass es sich bei der angewandtenMittelmeerkost um eine schmackhafte Ernährung handelt, die Patienten im Gegensatz zu einer nur fettarmen Ernährung, die keine wesentlichen Auswirkungen auf Gefäßkrankheiten zeigen konnte, gerne und langfristig befolgen. Der Cholesterinspiegel war dabei in der Mittelmeerdiätgrupppe auch nach vier Jahren nicht anders als in der Kontrollgruppe (240 mg/dl). Es kommt also in erster Linie auf die Fettsorte an, die einfach ungesättigten Fettsäuren, wie sie in Olivenund Rapsöl vorkommen und die Omega-3-Fettsäuren,vor allem im Fisch und in Nüssen.

Traditionelle Mittelmeerkost – was ist das?

Der Begriff der „traditionellen mediterranen Kost“ charakterisiert die allgemeinen Essgewohnheiten in den Mittelmeerländern der frühen 60er Jahre, insbesondere die damals in Kreta, fast ganz Griechenland und Süditalien typische Lebensmittelauswahl. Die „Pyramide der traditionellen Mittelmeerkost“ (siehe Abbildung) zeigt die wesentlichen Merkmale der traditionellen Mittelmeerkost: Die Basis bilden pflanzliche Lebensmittel in goßer Auswahl. Olivenöl ist die Hauptfettquelle. Auch die in Nüssen enthaltenen Fette sind förderlich, weder sie noch Olivenöl führen zur Gewichtszunahme. Tierische Lebensmittel werden nur in Maßen gegessen, Milchprodukte täglich in kleinen Mengen, vorzugsweise aus Magermilch.
Fisch, Geflügel und Eier einige Male pro Woche und nur einige Male pro Monat rotes Fleisch.

Ein Gläschen in Ehren

Und nicht zuletzt trinkt man in den Mittelmeerländern auch gerne ein Glas Rotwein zum Essen. Alkohol hat, wie man inzwischen weiß, ebenfalls eine gefäßschützende Wirkung. Er erhöht nämlich den Spiegel des „guten“ HDLCholesterins und sorgt dafür, dass Blutplättchen weniger leicht verklumpen. Eine besonders günstige Wirkung wird dem Rotwein zugeschrieben, da blaue Weintrauben reich an gefäßschützenden Flavonoiden sind. Mittlerweile gibt es über 60 große Studien, die zeigen, dass ein maßvoller Alkoholkonsum (also ein bis zwei Getränke mit einem Alkoholgehalt von 10 bis 20 g pro Tag) das Risiko für Arteriosklerose, Schlaganfall und Herzinfarkt um 20 bis 40% senkt.
Wenn man mehr trinkt, geht dieser schützende Effekt allerdings verloren und kehrt sich sogar ins Gegenteil um: Alkohol, im Übermaß getrunken, lässt den Blutdruck in die Höhe steigen und erhöht das Risiko für Gefäßerkrankungen. Im angegbenen Umfang ein Gläschen Rotwein, Weisswein oder Bier zu trinken, ist also durchaus gesund fürs Herz. Wer beim Alkoholtrinken aber nicht Maß halten kann, der sollte lieber ganz die Finger davon lassen.

Wunsch für die Zukunft

Es ist zu hoffen, dass sich das Wissen über den Zusammenhang von Herzinfarkt und Ernährung und über die große Bedeutung der körperlichen Aktivität, die mindestens fünfmal wöchentlich je eine halbe Stunde durchgeführt werden sollte, weiter in der Bevölkerung verbreiten wird. Dann ist tatsächlich zu erreichen, dass der Herzinfarkt aus seiner Spitzenposition als „Killer Nr. 1“ verdrängt wird, aus der ihn bisher leider alle bisherigen Bemühungen zur Ernährungsumstellung, alle Fortschritte der medikamentösen Behandlung und der interventionellen Therapie wie PCI mit Ballondehnung und Stent sowie die Bypassoperation nicht verdrängen konnten.