Impfungen

Impflücken nicht auf die leichte Schulter nehmen
Infektionskrankheiten können gefährlich sein – vor allem für Kinder

Impfungen werden heute von vielen Menschen für überflüssig gehalten oder sogar belächelt. In den Medien wird höchstens über das Risiko von Impfungen berichtet und den Menschen Angst davor gemacht. Impfen ist nicht mehr in. Vielleicht auch, weil die Erkrankungen gerade bedingt durch die Impfungen nur noch selten vorkommen und deswegen in Vergessenheit geraten sind.

Dr. Constanze Nebe und Dr. Dominique Scheuermann

Das Impfen gehört nach wie vor zu den wirksamsten und einfachsten Schutzmaßnahmen, die es gibt. Neben der Lebensmittel- und Wasserhygiene haben wir unsere heutige hohe Lebenserwartung und die geringe Säuglingssterblichkeit in den westlichen Industrieländern vor allem der breiten Anwendung von Impfungen zu verdanken. Die Ausrottung lebensgefährlicher Seuchen, die früher eine Geißel der Menschheit waren, ist nicht zuletzt auf die Entwicklung wirksamer Impfstoffe zurückzuführen. So ist die Welt dank eines konsequenten Impfprogramms der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit dem Jahr 1980 pockenfrei. Andere bedrohliche Infektionserkrankungen sind infolge von Impfprogrammen mittlerweile selten geworden und könnten vielleicht längst ganz ausgerottet sein, wenn die Menschen sich konsequenter dagegen impfen lassen würden.

Kinderlähmung ist grausam ...
Die durch das Poliovirus übertragene Kinderlähmung ist dank intensiver Impfkampagnen in Amerika und Europa weitestgehend ausgerottet. Aber gebannt ist die Gefahr noch lange nicht: Immer wieder flackerten in den letzten Jahrzehnten in verschiedenen europäischen Ländern kleinere, regional begrenzte Polio-Epidemien auf. Auch in Deutschland kam es zu einzelnen Neuerkrankungen. Es besteht immer das Risiko, dass die Infektion aus anderen Ländern, in denen sie nach wie vor relativ häufig vorkommt, reimportiert wird oder dass das Virus in einer kleinen Gruppe von Menschen, die nicht geimpft wurden, überlebt.
Ähnlich ist es bei den Masern, die – insbesondere bei Jugendlichen und Erwachsenen – lebensgefährliche Komplikationen verursachen und zu einer Fehl- oder Totgeburt führen können, wenn eine schwangere Frau sich damit infiziert. Auch bei dieser Erkrankung kommt es immer wieder zu regionalen Ausbrüchen, von denen vor allem ungeimpfte Kinder betroffen sind.
Kinder müssen zweimal gegen Masern geimpft werden. Wurde jemand als Kind nur einmal geimpft, so sollte die zweite Impfung im Erwachsenenalter unbedingt nachgeholt werden. Das Gleiche gilt für die Rötelnimpfung. Wurde hier im Kindesalter nur einmal geimpft, so sollte man die zweite Impfung später ebenfalls nachholen. Dies ist besonders wichtig für Frauen im gebärfähigen Alter, denn eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft kann zu schweren Schädigungen des Neugeborenen führen.

Verantwortungsbewusst handeln
„Impf-Muffel“ bringen nicht nur sich selbst und ihre Kinder in Gefahr, sondern auch die Allgemeinheit. Denn nur wenn sich möglichst viele Menschen den von der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfohlenen Impfungen unterziehen, kann man eine so genannte „Herden-Immunität“ erreichen: Ab einer bestimmten Impf­rate innerhalb der Bevölkerung kann ein Infektionserreger sich nicht mehr effizient vermehren und stirbt aus. Lassen sich zu wenige Menschen gegen einen Krankheitserreger impfen, so kann er sich wieder vermehrt ausbreiten und zur ernsten Gefahr werden – wie z. B. der Keuchhusten, der vor allem für Säuglinge ein hohes Risiko darstellt und sie im schlimmsten Fall sogar das Leben kosten kann. Da Säuglinge aber erst ab dem zweiten Monat gegen Keuchhusten geimpft werden dürfen, kann man sie in den ersten Lebenswochen nur durch „Herden-Immunität“ vor dem gefährlichen Virus schützen – z. B., indem bei Eltern, Großeltern und älteren Geschwistern auf den Impfschutz geachtet wird. Wenn Erwachsene nicht gegen Keuchhusten geimpft sind, können sie sich ebenfalls mit dieser Kinderkrankheit infizieren. Keuchhusten verläuft beim Erwachsenen sehr viel weniger dramatisch als bei Kindern. Aber es besteht leider die Gefahr, dass Eltern ihre Babys mit dem Krankheitserreger anstecken. Deshalb empfiehlt die STIKO seit 2009 allen Erwachsenen, sich bei der nächsten fälligen Tetanus-Diphtherie-Impfung einmalig auch gegen Keuchhusten (Pertussis) impfen zu lassen – und bei dieser Gelegenheit auch ihren Polio-Impfschutz zu überprüfen. Das ist vor allem bei jüngeren Menschen wichtig, die noch Eltern werden wollen. Ungeimpfte Erwachsene sind die Hauptansteckungsquelle für Keuchhusten bei Neugeborenen. Wer berufsmäßig mit Neugeborenen zu tun hat, sollte alle zehn Jahre eine Impfauffrischung gegen Keuchhusten erhalten.

Keine Angst vor Impfschäden
Die von Impfgegnern gerne beschworenen Risiken und Nebenwirkungen der öffentlich empfohlenen Impfungen sind so gering, dass der Nutzen dieser Vorbeugungsmaßnahmen weitaus größer ist als mögliche Impfreaktionen oder -komplikationen. Denn normalerweise sind unsere modernen Impfstoffe sehr gut verträglich. Die negative Stimmung gegen das Impfen in der Öffentlichkeit basiert meist auf pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen und spielt die so selten vorkommenden Impfschäden in übertriebener Weise in den Vordergrund. Ebenso verfehlt ist der bei vielen Menschen herrschende Glaube, Impfungen seien heute nicht mehr notwendig. Diese Impfmüdigkeit kann, wie wir gesehen haben, dazu führen, dass eine längst totgeglaubte Infektionserkrankung auch bei uns wieder aufflackert.

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