Allergisches Asthma

Viele Menschen leiden an allergischem Asthma. Ursachen gibt es viele: So kann man beispielsweise gegen Schimmelpilze, Hausstaub, Tierhaare oder Pollen allergisch sein. Und die Tendenz ist steigend – denn Allergien nehmen weltweit immer mehr zu.

von Prof. Dr. med. Rainer Dierkesmann und Marion Zerbst

Asthma bronchiale ist eine chronisch entzündliche Atemwegserkrankung, die sich durch anfallartigen Husten mit Atemnot äußert. Solche Asthmaanfälle werden dadurch verursacht, dass sich die Muskeln in den Wänden der Bronchien und Bronchiolen verkrampfen. Zusätzlich schwillt aufgrund einer Entzündung die Bronchialschleimhaut an und sondert Schleim ab. Dadurch verengen sich die Atemwege; die Atmung, vor allem das Ausatmen, ist erschwert.
Häufig ist Asthma allergisch bedingt. Bei einer Allergie handelt es sich um eine überschießende Reaktion des Immunsystems: Das heißt, unsere körpereigene Abwehr hält Stoffe, die für unseren Organismus eigentlich gar nicht schädlich, sondern vollkommen harmlos sind, für „Feinde“ und bekämpft sie dementsprechend. So kommt es zu einer allergischen Reaktion.

Typische Merkmale des allergischen Asthmas

Folgende typische Merkmale liefern erste Anhaltspunkte dafür, ob man an allergischem oder nicht-allergischem Asthma leidet:

  • Das allergische Asthma tritt normalerweise bereits im Kindes- und Jugendalter auf, während das nicht-allergische Asthma meistens erst im Erwachsenenalter beginnt.
  • Oft leidet oder litt der Asthmatiker auch an anderen allergischen Erkrankungen wie beispielsweise Heuschnupfen, Ekzem, Nahrungsmittelallergie, oder solche Erkrankungen kommen
  • in seiner Familie gehäuft vor.

Achten Sie einmal darauf, in welchen Situationen beziehungsweise um welche Jahreszeit Ihre asthmatischen Beschwerden gehäuft auftreten: Wenn Sie immer beim Kontakt mit Tieren Schnupfen oder Asthmaanfälle bekommen, leiden Sie vermutlich an einer Tierhaarallergie. Für solche Menschen sind Haustiere leider tabu. Tritt Ihr Asthma dagegen vor allem in der warmen Jahreszeit und bevorzugt bei Spaziergängen in der freien Natur auf, sind Sie vermutlich gegen Pollen allergisch.

Blühende Wiesen: für den Pollenallergiker eine Qual

Eine Pollenallergie kann nur von Pollen ausgelöst werden, die leicht genug sind, um in der Luft zu schweben und eingeatmet zu werden. Leider gibt es sehr viele windbestäubte Pflanzen.
Wer nur gegen eine bestimmte Sorte (oder Gruppe) von Pollen allergisch ist, hat es leichter, denn er hat nur um die Jahreszeit Beschwerden, in der „seine“ Pollen fliegen. Bei Allergikern, die gegen viele verschiedene oder alle Pollen allergisch sind, erstreckt sich die Leidenszeit vom zeitigen Frühjahr bis in den Herbst hinein. Für den Baumpollenallergiker beginnt sie oft schon im Januar und dauert bis Mai: Denn jetzt verbreiten Erle, Birke und Haselstrauch ihre Pollen. Als Nächstes kommen Gräser- und Getreidepollen dran. Gräser haben die unangenehme Eigenschaft, zweimal im Jahr zu blühen: Das erste Mal im Mai und dann noch einmal im Juli oder August. In dieser Zeit sind die Beschwerden des Gräserpollenallergikers am schlimmsten.

So kommen Sie Ihrem Allergen auf die Spur

Besteht der Verdacht auf allergisches Asthma, so kann der Arzt Allergietests durchführen, um herauszufinden, gegen welche Substanzen Sie allergisch sind. Am häufigsten werden zum Nachweis einer Allergie Hauttests durchgeführt. Welches Allergen der Arzt dabei testet, hängt vom Verdacht ab, den der Patient äußert oder der sich aufgrund der Anamnese (Erhebung der Krankheitsgeschichte) ergeben hat. Meist wird gleich eine ganze Gruppe von Allergenen getestet: also beispielsweise mehrere Arten von Pollen, Hausstaub, Schimmelpilzsporen usw. Wenn sich dann zeigt, dass der Patient gegen Pollen allergisch ist, kann man den Verdacht weiter einkreisen, indem man in einem nächsten Schritt in Einzeltests ganz bestimmte Pollenarten testet.
Bei Hauttests wird das verdächtige Allergen entweder auf der Haut des Patienten aufgetragen oder in sie eingebracht und abgewartet, ob sich eine Reaktion darauf zeigt. Beim Reibtest reibt der Arzt das Allergen kräftig in die Haut an der Innenseite des Unterarms ein. Dieser Test eignet sich allerdings nur zum Nachweis bestimmter Allergene. Zuverlässiger sind Tests, bei denen das Allergen in die Haut hineingelangt: Beim Pricktest beispielsweise bringt der Arzt die Allergenlösung auf der Innenseite des Unterarms des Patienten auf und sticht dann mit einer Nadel durch den Tropfen hindurch leicht in die oberste Hautschicht hinein. Beim Scratchtest ritzt er die Haut zunächst an und trägt dann die Allergenlösung auf. Beim Intrakutantest wird der Allergenextrakt mit einer Nadel in die Haut gespritzt.
Ist der Patient gegen eine bestimmte Substanz allergisch, so bildet sich innerhalb kurzer Zeit (ungefähr 20 bis 30 Minuten) eine Quaddel.

Praxistipps erleichtern dem Pollenallergiker das Leben

Wenn Sie unter allergischem Asthma leiden, müssen Sie versuchen, Ihrem Allergen nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen. So erreichen Sie am besten eine Stabilisierung oder möglicherweise sogar Heilung Ihres Asthmas. Selbst bei einer Pollenallergie gibt es Möglichkeiten, den Allergenkontakt zumindest auf ein Minimum zu beschränken.
Halten Sie sich in den Zeiten des stärksten Pollenflugs möglichst nicht im Freien auf! Pollenflugvorhersagen in der Zeitung, im Rundfunk oder per Telefon beziehen sich jeweils auf eine bestimmte Region und verraten Ihnen, wann, wo, in welcher Menge und in welche Richtung die Pollen fliegen.
Der Grad der Pollenbelastung hängt natürlich auch vom Wetter ab: An sonnigen, trockenen, windigen Tagen ist der Pollenflug am stärksten. An solchen Tagen sollten Sie den Aufenthalt im Freien auf ein absolut notwendiges Minimum beschränken und Türen und Fenster geschlossen halten. Lüften sollten Sie an solchen Tagen nur zwischen 22 Uhr abends und drei Uhr morgens – um diese Zeit ist die Pollenbelastung geringer. Auf das Schlafen bei geöffnetem Fenster muss man als Pollenallergiker leider verzichten; an Regentagen darf dafür wieder ausgiebig gelüftet werden. Die beste Zeit für Spaziergänge und sonstige Aktivitäten im Freien ist nach einem Regenguss: Der Regen reinigt die Luft von Pollen.
Ziehen Sie Ihre Straßenkleidung stets außerhalb des Schlafzimmers aus und waschen Sie sich jeden Abend die Haare, um keine Pollen, die sich tagsüber vielleicht darin verfangen haben, mit ins Bett zu nehmen. Natürlich dürfen Sie Ihre Bettwäsche tagsüber auch nicht im Freien lüften – sonst ist sie abends garantiert mit Pollen behaftet.

Das richtige Asthma-Management

Bei einer richtig und konsequent durchgeführten Behandlung kann man heutzutage mit Asthma nahezu beschwerdefrei leben. Inzwischen weiß man, dass dem Asthma eine Verkrampfung der Bronchien (verbunden mit Schleimhautanschwellung und vermehrter Schleimabsonderung) zugrunde liegt und dass darüber hinaus eine chronische Entzündung vorliegt, die zu einer Hyperreagibilität und im Lauf der Zeit zur bleibenden Schädigung der Atemwege führt. Daran orientieren sich die Therapieziele:
Zunächst einmal muss beim Asthmaanfall die krampfartige Verengung der Bronchien gelöst werden, damit der Patient wieder besser Luft bekommt. Hierzu werden bronchienerweiternde Mittel (Bronchospasmolytika) inhaliert. Sie beseitigen die Atemnot beim akuten Asthmaanfall sofort; deshalb sollte der Asthmatiker sein Spray immer bei sich tragen.
Außerdem muss die Entzündung und Schwellung der Bronchialschleimhaut beseitigt werden. Dazu werden Kortikoide eingesetzt.
Die Hyperreagibilität der Atemwege muss bekämpft, einer dauerhaften Schädigung der Atemwege muss vorgebeugt werden. Auch dieses Ziel lässt sich am besten durch Kortikoide erreichen.
Dementsprechend teilt man die Asthmamedikamente in zwei Kategorien ein:

  • Medikamente zur Dauermedikation (Basistherapie), die nicht sofort wirken, aber dennoch regelmäßig eingesetzt werden müssen, da sie die asthmatische Entzündungsreaktion bekämpfen und der Entstehung von Dauerschäden vorbeugen.
  • Medikamente zur Bedarfsmedikation, die sehr rasch wirken und beim akuten Asthmaanfall eingesetzt werden, um die Atemnot zu lindern.

Keine Angst vor Kortison!

Kortison ist das wichtigste Medikament für eine dauerhafte, erfolgreiche Asthmatherapie. Daher ist es wichtig, es regelmäßig in der vom Arzt verordneten Weise anzuwenden. Durch regelmäßige Anwendung geht die chronische Entzündung und Überempfindlichkeit der Bronchialschleimhaut zurück – eines der wichtigsten Ziele in der Asthmatherapie. Dadurch schwillt die Bronchialschleimhaut nicht mehr so leicht an; es wird weniger zäher Schleim gebildet. Die Lungenfunktion verbessert sich; Asthmaanfälle treten seltener auf. Eine frühzeitige regelmäßige Anwendung inhalierbarer Kortikoide führt zu einem günstigeren Krankheitsverlauf mit besserer Lebensqualität.
Mittlerweile wird dieses Medikament so vorsichtig dosiert, dass kaum gravierendere Nebenwirkungen zu erwarten sind. Dennoch bestehen in der Öffentlichkeit immer noch Vorurteile gegenüber Kortison, die sich nur schwer ausräumen lassen, obwohl sie – gerade beim Asthma – völlig unbegründet sind. In den meisten Fällen werden Kortikoide bei Asthma nämlich nicht geschluckt, sondern inhaliert. Bei dieser Form der Anwendung sind kaum Nebenwirkungen zu befürchten, da das Medikament seine Wirkung nur dort entfaltet, wo es gebraucht wird – nämlich in den Atemwegen –, und nicht oder nur in äußerst geringen Mengen in den Blutkreislauf gelangt. Es kann durch das inhalierbare Kortison lediglich zu einer Candida-Pilzansiedlung in Mund und Rachenraum kommen. Diese lässt sich vermeiden, indem man entweder vor dem Essen inhaliert (sodass sich keine Kortisonreste in Mund und Rachenraum anlagern können) oder sich nach dem Inhalieren gründlich den Mund ausspült.
Inhalierbare Kortikoide wirken nicht sofort, sondern frühestens nach ein paar Tagen; die volle Wirkung stellt sich meist erst nach drei bis vier Wochen ein. Daher sind diese Medikamente zur Behandlung eines akuten Asthmaanfalls nicht geeignet.
Viele Patienten begehen den Fehler, ihre inhalierbaren Kortikoide eigenmächtig abzusetzen oder nicht regelmäßig anzuwenden, da sie eben im Gegensatz zu den bronchienerweiternden Medikamenten nicht sofort eine Wirkung spüren. Das kann verhängnisvolle Folgen haben, denn die bronchienerweiternden Sprays bekämpfen nur die Symptome, nicht aber den in den Atemwegen ablaufenden Entzündungsprozess.
Nur in schweren Fällen – wenn die Therapie mit inhalierbaren Kortikoiden nicht ausreicht oder das Asthma sich vorübergehend verschlimmert – ist die Einnahme von Kortikoiden in Tablettenform erforderlich. Oft ist die orale Kortikoid-Therapie nur eine vorübergehende Maßnahme, bis es dem Patienten wieder besser geht.

Beta2-Sympathomimetika

Hinter diesem komplizierten Namen verbergen sich Substanzen, die durch Anregung des sympathischen Nervensystems zu einer Erschlaffung der Bronchialmuskulatur und Erweiterung der Bronchien führen. Man unterscheidet zwischen lang und kurz wirkenden Beta2-Sympathomimetika. Die lang wirkenden Beta2-Sympathomimetika beugen Verkrampfungen der Bronchialmuskulatur vor und werden daher in der Langzeittherapie eingesetzt. Das heißt, dass der Patient sie – ebenso wie das inhalierbare Kortison – auch in beschwerdefreien Zeiten regelmäßig anwenden sollte. Formoterol und Salmeterol haben eine Wirkdauer von ca. zwölf Stunden, was sie vor allem für Patienten mit nächtlichen Asthmaanfällen zur idealen Medikation macht.
Beta2-Sympathomimetika werden meist aus einem Dosieraerosol inhaliert; diese Darreichungsform ist am günstigsten, da die bronchienerweiternde Wirkung dabei am schnellsten (innerhalb weniger Minuten eintritt). Gravierende Nebenwirkungen gibt es nicht; bei manchen Patienten tritt ein feines Fingerzittern auf, das jedoch meist nur anfangs besteht und im Lauf der Therapie wieder verschwindet. Auch zu Herzklopfen und einem leichten Unruhegefühl kann es (vor allem bei zu hoher Dosierung) kommen.
Beim akuten Asthmaanfall werden in erster Linie kurz wirksame Beta2-Sympathomimetika inhaliert, bei denen die Wirkung sehr rasch eintritt. Im Gegensatz zu den lang wirksamen Beta2-Sympathomimetika sollten die kurz wirkenden Präparate nicht regelmäßig, sondern nur bei Bedarf angewendet werden.

Wer hat ein erhöhtes Risiko, eine Allergie zu entwickeln?

Erbliche Veranlagung spielt bei Allergien eine wichtige Rolle. Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer Atopie: Das ist die erblich bedingte Neigung, auf bestimmte Umweltfaktoren allergisch (das heißt mit der Bildung von IgE-Antikörpern) zu reagieren. Solche Kinder leiden häufig auch an Neurodermitis, allergischem Schnupfen und allergischer Bindehautentzündung. Ein Mensch, in dessen Familie allergische Erkrankungen gehäuft vorgekommen sind, hat ein erhöhtes Risiko, selbst eine Allergie zu entwickeln. Auch Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle: Je höher die Allergenbelastung in der Kindheit, umso größer ist das Risiko, irgendwann eine Allergie zu entwickeln. Daher sollten Eltern aus erblich belasteten Familien versuchen, die Umgebung ihres Kindes schon von klein auf möglichst allergenfrei zu gestalten.

Datum: 
27.03.2012