Allergien

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Das Neueste aus Forschung und Therapie

Pollenallergikern machen vor allem im Frühjahr Heuschnupfen und Asthmaanfälle das Leben zur Qual. Auch Insektenstiche können gefährliche allergische Reaktionen auslösen.

von Anne Greveling

Der Klimawandel ist ein wichtiger Grund für die Zunahme von Pollenallergien; denn höhere Temperaturen führen nicht nur zu längeren und früheren Blühphasen, sondern auch zum Auftreten neuer, aggressiverer Pollensorten.

Allergien auf dem Vormarsch

Ein zweiter Grund dafür, dass sich die Häufigkeit allergischer Erkrankungen in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat, ist die Umweltverschmutzung, beispielsweise eine erhöhte Feinstaubbelastung, die allergische Reaktionen verstärken kann: In Städten, wo die Luftverschmutzung größer ist als in ländlichen Gegenden, werden höhere Allergieraten beobachtet.

Heuschnupfen – was tun?

Die beste Methode zur Bekämpfung einer Allergie besteht darin, die allergieauslösende Substanz nach Möglichkeit zu meiden (so genannte Allergenkarenz). Bei einer Pollenallergie ist das aber nicht so einfach. Allergologen verordnen ihren heuschnupfengeplagten Patienten daher häufig Antihistaminika und Kortison-Nasensprays. Wenn eine solche Therapie nicht ausreicht, empfiehlt sich eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung). Das ist die bisher einzige kausal wirksame (d. h. nicht nur bei den Symptomen, sondern bei der Ursache der Allergie ansetzende) Behandlungsmöglichkeit für den lästigen Heuschnupfen. Außerdem kann sie einem „Etagenwechsel“ zum Asthma bronchiale vorbeugen.
Bei der Hyposensibilisierung spritzt der Arzt dem Allergiker regelmäßig kleine Mengen des Allergenextrakts unter die Haut und erhöht diese Dosis schrittweise, um ihn langsam und allmählich an das Allergen zu „gewöhnen“. Diese Form der Hyposensibilisierung hat bei Gräserpollenallergikern eine Erfolgsrate von über 80%. Seit November 2006 gibt es außerdem eine einfacher durchzuführende Hyposensibilisierung in Tablettenform: Die Gräser-Impf-Tablette Grazax® enthält molekular standardisierte Allergene des Wiesenlieschgrases und ist in Deutschland zur Behandlung von Gräser- oder Roggenpollenallergien bei Erwachsenen zugelassen.
Bei der sublingualen Hyposensibilisierung werden die Allergene täglich in Tropfenform verabreicht und über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Gefährliche Insektengiftallergie

Weniger lästig, aber dafür potenziell tödlich sind Insektengiftallergien. Die Hauptauslöser sind Bienen und Wespen; aber auch Hummeln, Hornissen, Bremsen, Ameisen und Mücken können Insektenstichallergien hervorrufen.
Patienten mit einer solchen Allergie leben mit dem ständigen Risiko, nach einem erneuten Stich einen lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock zu erleiden. Zwischen dem Allergenkontakt und einem solchen Schock vergehen im Durchschnitt nur 12 Minuten. Menschen, bei denen eine Insektengiftallergie bekannt ist, sollten daher immer ein Notfallset bei sich tragen, mit dem sie sich im Falle eines Insektenstichs selbst behandeln können. Dafür brauchen sie natürlich eine eingehende Schulung. Auch Insektengiftallergikern kann außerdem eine Hyposensibilisierung helfen, die sich bei Kindern bereits ab dem sechsten Lebensjahr durchführen lässt.

Nussallergien nicht auf die leichte Schulter nehmen

Auch im Zusammenhang mit Nahrungsmittelallergien können schwere anaphylaktische Schocks auftreten. Häufig sind Nüsse die Übeltäter: Untersuchungen aus England zeigen, dass Erdnüsse oder Baumnüsse die Ursache von etwa zwei Dritteln aller allergischen Schocks sind.
An einer Baumnuss- oder Erdnussallergie leiden auch Kinder häufig. Sie ist deshalb so gefährlich, weil bereits Allergenspuren von weniger als einem Gramm schwere allergische Reaktionen auslösen können. Solchen Kindern muss man unbedingt einschärfen, nicht nur die Nüsse zu meiden, sondern auch Produkte daraus oder Speisen, in denen sie enthalten sind – also Erdnussbutter, Erdnussflips, Nussjoghurt, Nusskuchen oder -hörnchen. Zwischen dem Essen des Auslösers und einem anaphylaktischen Schock vergehen bei Nahrungsmittel-Allergikern etwa 30 Minuten. Bereits bei den ersten Alarmzeichen sollte man sofort den Notarzt rufen; denn der Schweregrad einer solchen Reaktion lässt sich nicht vorhersagen: Anfänglich leichte anaphylaktische Reaktionen können sich innerhalb von Minuten zu einer lebensbedrohlichen Symptomatik verstärken.

Was ist ein anaphylaktischer Schock?

Beim anaphylaktischen (allergischen) Schock handelt es sich um eine seltene, aber lebensbedrohliche allergische Reaktion. Sie tritt nur bei extremer Empfindlichkeit gegen ein bestimmtes Allergen auf, z. B. als Reaktion auf Injektionen (z. B. Penicillin) oder einen Insektenstich. Dabei werden so große Mengen an Histamin und anderen Entzündungsstoffen freigesetzt, dass es zu einer extremen Erweiterung der Blutgefäße mit starkem Blutdruckabfall kommt. Auch juckender Ausschlag, eine Verkrampfung der Atemwege (Bronchospasmus) und Schwellungen von Zunge und Rachen können auftreten. Erste Anzeichen sind Jucken und Brennen an den Handflächen und Fußsohlen, im Mund und an der Zunge. Eine anaphylaktische Reaktion setzt sehr plötzlich ein und kann innerhalb kurzer Zeit vom Schweregrad 1 (Hautsymptome) zum Grad 4 (Atem- oder Herzstillstand) übergehen. Daher ist bereits bei leichten Symptomen höchste Vorsicht angezeigt.

Internet-Informationen für Pollenallergiker

Den regelmäßig aktualisierten Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst finden Sie unter www.pollenstiftung.de. Der Deutsche Wetterdienst bietet außerdem auf seiner Homepage (www.dwd.de/pollenflug) eine grafische Darstellung der Pollenflugvorhersage sowie eine Pollenstatistik an.

Datum: 
27.03.2012