Überfunktion der Schilddrüse erhöht Sterberisiko

Überfunktionen der Schilddrüse können dem Herz auf Dauer schwere  Schäden zufügen. Eine neue Studie belegt, dass diese Gefahr bereits besteht, wenn Patienten noch gar keine Beschwerden wahrnehmen. Wie die  Daten zeigen, erhöht schon eine unterschwellige, oft nur im Blut  erkennbare Schilddrüsen-Überfunktion das Risiko für tödliche Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Die Schilddrüse steuert über ihre Hormone maßgeblich viele wichtige Stoffwechselvorgänge des Körpers. Etwa ein Prozent der Bevölkerung leidet unter einer Überfunktion dieser schmetterlingsförmigen Drüse unterhalb des Kehlkopfes. Bei jüngeren Menschen ist die Ursache häufig eine Autoimmunerkrankung: „Bei der Basedow-Krankheit treiben bestimmte Antikörper die Produktion von Schilddrüsenhormonen an und der Patient entwickelt Symptome wie Zittern, Unruhe, Schweißausbrüche und Gewichtsverlust“, erläutert Professor Dr.  Helmut Schatz aus Bochum. 
Bei älteren Menschen sind meistens sogenannte heiße Knoten in der Schilddrüse für die Überfunktion verantwortlich. „In beiden Fällen entzieht sich die Schilddrüse der Kontrolle durch die Hirnanhangdrüse“, führt der Experte aus. Normalerweise reguliert die Hirnanhangdrüse durch die Freisetzung des Hormons Thyreotropin (TSH) 
die Bildung des Schilddrüsenhormons. Bei einer Überfunktion nimmt zuerst der TSH-Wert im Blut ab, dann wird er durch die vermehrt gebildeten Schilddrüsenhormone völlig unterdrückt.

Die Schilddrüsenhormone selbst sind im Anfangsstadium noch nicht erhöht. „Ein erniedrigter TSH-Wert ist aber schon ein wichtiger Hinweis auf eine beginnende, eine subklinische Hyperthyreose“, erklärt Professor Schatz. Da die Patienten sich gesund fühlen, würden viele Ärzte auf eine Behandlung verzichten, wenn diese leichte Überfunktion 
zufällig bei einer Laboruntersuchung festgestellt wird. Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie empfahl schon im Jahre 2009 in einer Pressemitteilung die Therapie auch dieser „latenten“ oder „subklinischen“ Überfunktion.

Die rechtzeitige Therapie der Schilddrüsenüberfunktion kann nach Überzeugung des Experten die Patienten vor Herzinfarkt oder Schlaganfall bewahren. Medikamente, sogenannte Thyreostatika, können die Produktion der Schilddrüsenhormone bremsen. Professor Schatz: „Die Medikamente müssen bei den älteren Menschen mit einer nicht immunologisch verursachten Überfunktion dauerhaft eingenommen werden und sind nicht frei von Nebenwirkungen.“ Eine andere Option ist eine Radiojodtherapie, bei der durch die Gabe von radioaktivem Jod gezielt Schilddrüsengewebe zerstört wird“, so Schatz. Die Radiojodtherapie, die nur einmalig durchgeführt werden muss, sei eine dauerhafte und nebenwirkungsarme Behandlung, deren Ergebnis jedoch nicht umkehrbar sei. Die Behandlung setze deshalb voraus, dass die latente Schilddrüsenüberfunktion nicht durch Immunvorgänge ausgelöst ist und somit tatsächlich den Beginn einer anhaltenden Überfunktion anzeigt. Besteht ein großer knotiger Kropf, kommt auch eine Schilddrüsenoperation in Betracht. „Vor allem bei jüngeren Patienten mit der immunologisch bedingten Basedow´schen Erkrankung kann es aber auch zu einer spontanen Erholung kommen“, so Schatz. Der  Therapieentscheidung für eine Radiojodtherapie sollten deshalb hier zwei Kontrolluntersuchungen in mehrwöchigem Abstand vorausgehen.

Literatur: Collet TH et al. Subclinical Hyperthyroidism and the Risk of Coronary Heart Disease and Mortality. Arch Intern Med. 2012. doi: 10.1001/archinternmed.2012.402

Datum: 
21.05.2012